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Stress – oder einfach nur zu viel zu tun?

Man sitzt vor seinem Laptop und reibt sich die Schläfe

Ooh Mensch, dieser Stress – wer kennt das nicht? Stress und gestresst sein taucht heutzutage fast schon inflationär auf: Kaum jemand hat noch nicht mit Stress zu tun gehabt – gleichwohl er aus unterschiedlichen Gründen entsteht und unterschiedlich stark empfunden wird. Ob der Manager mit Personal- und Umsatzverantwortung, das erfolgreiche Model, das zu jeder Zeit fit und auf’s Äußere bedacht sein muss oder eine alleinerziehende berufstätige Mutter mit kleinem Kind –  oft geht es um Zeit- und Leistungsdruck im Zusammenhang mit den unterschiedlichsten Lebensumständen oder um emotionalen Stress in der Erscheinung von Trauer, Ärger oder Wut.

Stress ist vielmehr eine subjektive Empfindung als ein von außen messbarer Faktor.

Unter dem Titel „Entspann dich Deutschland“ hat die Techniker Krankenkasse 2016 eine großangelegte Stress-Studie veröffentlicht. 1.200 befragte Personen haben folgende repräsentative Ergebnisse geliefert: Ein Drittel aller Deutschen ist nach eigenen Aussagen „häufig gestresst“, unter den 30-39-Jährigen sind es sogar 80 Prozent. Dabei fühlen sich die mit einer Doppelbelastung durch Kind und Karriere am meisten belastet. 40 Prozent der Befragten gaben an, sich nie gestresst zu fühlen. Unabhängig davon, ob es berufliche oder private Ursachen hat, macht sich Stress mit hoher Anspannung, genervter Ungeduld mit sich und anderen und niedriger Reizschwelle bemerkbar.

Stress als Statussymbol?

Stress ist in unserer digitalen modernen Welt, die für einen Großteil der Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten viele Annehmlichkeiten bietet, zu einem Modebegriff geworden. Rein objektiv haben wir jedoch weitaus weniger Belastungen als früher. Im Jahr 1860 hatten Menschen noch eine 70-Stunden-Woche. Heute ist oft bei Vollzeit eine 36-Stunden-Woche die Regel, inklusive 20-30 Tage bezahlter Urlaub im Jahr. Wir leben in vollautomatischen Haushalten,  genießen ein modernes  und gut funktionierendes Gesundheitssystem und leben seit mehr als 70 Jahren in Frieden. Und dennoch klagen viele über Stress.

Wenn man sagt: „Ich bin gestresst“ hört sich das anders an als „Ich bin müde“ oder „Ich kann nicht mehr“. Es hört sich wichtiger an, man versucht in jedem Fall durchzuhalten, man versucht es zu schaffen,  tapfer zu sein und den Erwartungen in der Leistungsgesellschaft zu entsprechen. Es klingt auch mehr wie eine Entschuldigung und weniger wie eine Kapitulation. Erfolgreich und wichtig sein ohne gestresst zu sein?

Annäherung an ein Phänomen

Was ist Stress denn nun genau? Stress ist nicht gleich Stress. Auch wenn im Körper ähnliche Vorgänge ablaufen, wird der Stresszustand durch unterschiedliche Phänomene ausgelöst. Bei dem Einen ist es der Termindruck durch einen Abgabetermin, bei dem Anderen die ständige Auseinandersetzung mit dem Partner nach der Arbeit oder die Doppelbelastung von Familie und Beruf. Passiert das gelegentlich, ist das nicht so tragisch, auf Dauer kann Stress allerdings krank machen.

Junge Mutter sitzt müde am Laptop ein Kind sitzt auf ihrem Schoß ein anderen tanzt im Hintergrund

Aus medizinischer Sicht ist Stress eine körpereigene Reaktion auf einen akuten Bedrohungszustand. Stress hatten Menschen schon immer. Ein Blick zurück in die Evolution des Menschen: Unsere Vorfahren hatten mit lebensbedrohlichen Situationen zu tun, beispielsweise, wenn ein Säbelzahntiger auftauchte. In so einem Moment werden schlagartig hohe Mengen von Nervenbotenstoffen ausgesendet wie Adrenalin, Kortisol oder Noradrenalin. Diese regulieren Blutdruck, Herzschlag und den Blutzuckerspiegel. Auch die Konzentration der Magensäure und die Versorgung von Gehirn und Muskeln werden stärker: Der Körper ist voller Energie und bereit, zu flüchten oder zu kämpfen. Bei Gefahr reagiert unser Körper immer noch genauso wie bei einem Urzeitmenschen. Nur, dass diese existentielle Art der Gefahr heute selten geworden ist. Kaum jemand, der hier und heute über großen Stress klagt, ist wirklich an Leib und Leben bedroht. Es sind vielmehr die Anforderungen, die zum Problem werden, die Verdichtung von Eindrücken und omnipotenten Reizen. Früher war der Säbelzahntiger im besten Fall wieder verschwunden. Heute droht die nächste Überlastung direkt nach einem herausfordernden Arbeitstag Zuhause in der Familie oder in Form von Freizeitstress. Ob Personen in ähnlicher familiärer und beruflicher Situation in einem Land mit niedrigerem Lebensstandard ähnlich stark ‚Stress‘ empfinden, wäre interessant zu wissen.

Stress hat viele Gesichter

Nicht nur eine Überforderung kann die Ursache für Stress sein. Auch das Gefühl, dass die eigenen Talente nicht gesehen und gefördert werden oder dass man ständig performen muss. Dass man flexibel auf alle Anforderungen reagieren soll und maximal belastbar auf allen Ebenen ist.

In der Freizeit füllen sich die Gestressten die freien Stunden mit Terminen und selbst im Urlaub gilt es ein volles Programm zu absolvieren. Man soll fit und gesund und voll im Trend liegen, immer up-to date bleiben – privat wie beruflich.  Ansprüche über Ansprüche pflastern den Lebensweg – viele davon sind selbst kreiert. Selbstkritisches Hinterfragen und Korrigieren der eigenen Ansprüche und/oder eingegangener Verpflichtungen tragen oft schon zu Entspannung bei.

Ein Prise Stress gefällig?

Allerdings ist ein gewisses Stresslevel auch gesund. Eine gewisse Anspannung und Aufregung wirkt anregend auf den Organismus und das Immunsystem. Die ausgeschütteten Hormone wie Adrenalin wirken als Muntermacher und spornen zu Höchstleistungen an. Es gibt nicht wenige Menschen, die genau diesen Kick des überlebenswichtigen Hormoncocktails in ihrer Freizeit suchen. Sie stürzen sich dann an einem Bungee-Seil in die Tiefe, entdecken das Fallschirmspringen für sich oder besteigen einen Achttausender.

Stress, lass nach! Aber wie?

Auf Dauer jedoch ist chronische Überbelastung und hochtouriges Laufen auf einem High Performance Level ungesund. Ist der Körper ständig in Alarmbereitschaft, kann dies eine Über­produktion von Stresshormonen, eine Schwächung des Immunsystems bewirken und in Folge entzündliche Prozesse in Gang setzen oder zu Bluthochdruck führen und letztlich das Burn-Out-Syndrom hervorrufen.

Was ist die Lösung für die Stress-Problematik? Wenn Stress ein hauptsächlich subjektives Empfinden ist, dann kann auch jeder für weniger Stress sorgen. Hört sich zu leicht an? Das einfache ist bekanntlich manchmal das Schwerste. Viele der Ansprüche sind gesellschaftlich begründet. Da auszusteigen, ist fast ein rebellischer Akt. Für mehr Entspannung sorgen, weniger Ambitionen, weniger Termine haben – einfach mal nichts machen und nichts planen, das ist vielleicht das stärkste Gegengift für Stress. Also, nach Lesen dieses Artikels mal für fünf Minuten einfach nur ein- und ausatmen und irgendwo hinstarren? Kein Rezept, aber immerhin ein Anfang.

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