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Unsere Meere sind lebende Müllhalden
Ein zu lange unterschätztes Problem

Die Ozeane machen mehr als zwei Drittel der gesamten Erdoberfläche aus. Auf jeden Quadratkilometer Wasser kommen viele hunderttausend kleine Teile Plastikmüll. Die Zahlen sind beängstigend, die Folgen für die Umwelt enorm. Anstrengungen aus Politik und Wirtschaft und von jedem Einzelnen sind dringend nötig.

75 Prozent des Mülls in den Weltmeeren besteht aus Plastik. Jedes Jahr sterben viele 10.000 Tiere, weil sie Plastikmüll für Nahrungsmittel halten. Pro Jahr werden rund 80 Millionen Tonnen Plastikverpackungen entsorgt, davon werden über 30 Prozent ohne jegliche Kontrolle in den Umweltkreislauf und in die Meere gebracht. Deutschland trägt Jahr für Jahr in vergleichsweise hohem Maße zur Erhöhung der Müllberge bei. Für das Jahr 2018 werden rund 4,5 Millionen Tonnen Plastikmüll erwartet.

Meeresschildkröte im Wasser umgeben von Plastik
Meeresschildkröten – Bedrohte Art

Plastik ist biologisch nicht abbaubar

Kleinste Mikroorganismen sind nicht in der Lage Plastik vollständig abzubauen, da der Stoff äußerst stabil ist und sich allein durch Mineralisation nicht auflöst. Die vollkommene Zersetzung beispielsweise einer Plastikflasche dauert 450 Jahre. Die Folge: Eine sich rasant entwickelnde Unmenge an kleinsten und großen Plastikteilen in den Meeren. Mikroplastik wird seit Jahren von verschiedensten Meeresbewohnern als Nahrung aufgenommen und gelangt direkt in die Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht. Erst kürzlich haben Wissenschaftler erstmals Mikroplastik im menschlichen Körper nachgewiesen. Die daraus resultierenden Folgen für unsere Gesundheit sind noch nicht absehbar.

Das Problem ist direkt vor unserer Haustür

Bei 96 Prozent an der Nordsee aufgefundenen toten Eissturmvögel wurden im Schnitt rund 25 Plastikteile im Magen gefunden. Etwa 98 Prozent aller Nester in einer Basstölpelkolonie vor Helgoland sind von Kunststoff durchsetzt, was die Sterblichkeit der Tiere um mehr als 100 Prozent erhöht hat. Das Ausmaß der Tragödie wurde spät erkannt. Viele Initiativen wurden und werden weltweit initiiert, um dem Müllproblem entgegenzutreten. Die EU beschließt beispielsweise die Einführung einer Plastiksteuer und das Verbot von Einweggeschirr, Strohhalmen u. a. Einweggegenständen aus Plastik. In Kenia und auf Bali gilt bereits Plastiktütenverbot. Eine großer ‚Meeresstaubsauger‘ der ‚Ocean Cleanup‘ ist seit einigen Wochen auf dem Ozean unterwegs und sammelt große Mengen Plastikmüll ein. Auch andere Müllsammelanlagen werden entwickelt und modifizierte Enzyme sollen zukünftig Plastik schneller zersetzen.

Doch das alles reicht nicht aus.

Projekte The Ocean Cleanup Testversuch
The Ocean Cleanup – „Staubsauger“ für unsere Meere

Jeder Einzelne muss aktiv werden

Deutlich und nachhaltig reduzieren lassen sich die Müllberge und die damit einhergehenden Gefahren für Mensch und Tier nur mit gemeinsamen Anstrengungen aus Politik, aus der Wirtschaft und durch die tatkräftige Unterstützung des Einzelnen im Alltag zu Hause, im Unternehmen, am Arbeitsplatz, in der Pause. Produzenten wie Konsumenten sind gleichermaßen gefragt. Die Industrie, indem sie Verpackungen umstellen, die Konsumenten, in dem sie eher Unverpacktes einkaufen und auf zusätzliche Verpackung verzichten.

Phantasie ist gefragt: Moderne Büros ohne Plastik?

Mit dem morgendlichen Latte Macchiato to go im Einwegbecher ins Büro. Mittags eine frische Suppe oder leckeres Essen vom Asiaten in der  Plastikschale. Nachmittags da ein Stück Kuchen aus der Plastikbox. Auf dem Tisch steht eine Plastikflasche Mineralwasser. Nicht selten stehen in den  Unternehmen auch Plastikbehälter mit Wasser und Einwegbechern aus Plastik. So entstehen Tag für Tag enorme Massen an Plastikmüll. Allein im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Umweltbundesamts rund 18 Millionen Tonnen an Verpackungs- und Einwegmüll produziert, doch nur rund 30 Prozent davon wurden dem Recycling zugeführt. Daran hat auch ein gestärktes Umweltbewusstsein nichts geändert. Nicht erfreulich ist auch, dass Deutschland EU-weit Spitzenreiter in der Plastikmüllproduktion ist. Jeder Bürger liegt mehr als sechs Kilo über dem Durchschnitt. Haben deutsche Firmen also ein Umweltproblem?

Wie lässt sich Plastikmüll im Büro vermeiden?

Der morgendliche Einwegbecher kann leicht gegen einen persönlichen Thermobecher ersetzen, – auch die Suppe am Mittag lässt sich in der mitgebrachten Thermoschüssel gut transportieren und kann im Büro sogar noch heiß gegessen werden. Für viele Mitarbeiter ist der morgendliche Kaffee im Büro das Muss für einen gelungenen Start in den Tag. Ein guter Kaffeevollautomat wird erwartet. Kaffeemaschinen mit Kapselsystem tragen erheblich zur Erhöhung von Plastikmüll bei. Leider sind die nutzerfreundlichen und leicht zu bedienenden Maschinen sehr beliebt und im Vergleich zu einem Vollautomaten dazu auch recht preiswert.  Ab 20 Mitarbeitern im Büro sind Vollautomaten jedoch meist die günstigere Alternative.

Plastikbecher und Laptop auf Schreibtisch im Büro
Kaffee und Mittagspause mit Genuss – ohne Plastik….?

Plastikflaschen aus dem Büro verbannen

Ganz oben auf der Liste der größten Plastikmüllverursacher stehen Getränke und vor allem Wasser. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen seinen Mitarbeitern kostenfrei Wasser zur Verfügung stellt oder jeder sich selbst versorgt… wenn jeder Mitarbeiter nur eine Flasche Wasser pro Tag trinkt, lässt sich leicht ausrechnen, wieviel Plastikmüll täglich entsteht. Noch wesentlich umweltfreundlicher als Glasflaschen ist beispielsweise ein Wasserspender, der durch einen Festwasseranschluss befüllt wird und mit einem Filtersystem versehen ist. Die einmalige Investition ist überschaubar, die laufenden Betriebskosten eines solchen Versorgungssystems so gering, dass sich die Anschaffungskosten schnell durch Einsparungen beim Wasserkauf amortisieren. Ohne großen Aufwand lässt sich so der Plastikmüll reduzieren und ohne Abstriche an der Wasserqualität.

Plastikfreie Mittagpausen im Büro sind möglich

Wer sich sein Lunch am Mittag gerne von zu Hause mitbringt, gehört ebenfalls zu den Umweltsündern – solange man den Snack in Folie verpackt. Ökologisch viel sinnvoller ist eine Lunchbox in der Thermovariante oder aus Aluminium, aus Holz, Glas oder Edelstahl. Sie sind nicht nur absolut plastikfrei, sondern oft auch ein optisches Highlight. Wer sich für diese Boxen entscheidet, zeigt nicht nur, dass er ökologisch unterwegs ist – er zeigt auch seinen besonderen Sinn für Ästhetik. Darüber hinaus lässt sich die sonst verwendete Alufolie auch durch leichte Baumwolltücher, die mit einer abwischbaren natürlichen Substanz wie Bienenwachs oder Harz befeuchtet sind und sich immer wieder verwenden lassen, ersetzen. Tipps und Tricks für das plastikmüllfreie Büro gibt es also in Hülle und Fülle – und sie alle zeigen, dass es durchaus ein Leben nach dem Müllberg aus Plastik geben kann!

Einfach heute starten.

Quellen

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