Work Life Balance

Investition Powernap
Büroschlaf in Deutschland ein Tabu?

Warum Unternehmen jetzt aufwachen sollten

Schwere Lider, Müdigkeit, die sich wie Blei über die Konzentration legt, ständig schweifen die Gedanken ab: Jetzt ein kurzer Mittagsschlaf! Aber nicht vom Chef erwischen lassen – beim heimlichen Powernap. Das kurze Schläfchen zwischen­durch ist trotz viel beschriebener positiver Wirkungen nicht hoch angesehen in deutschen Unternehmen. Dabei werden ihm schon immer gesundheitsfördernde Kräfte zugeschrieben – von gesteigerter Gehirnleistung, über Profilaxe in Sachen Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetis, Stärkung des Immunsystems durch Stressabbau – um nur einige Wirkungen zu nennen.

Was ist dran am Powernap?

Siesta, Inemuri, Naprooms: Powernapping around the Globe

Der Wind dreht sich, zugunsten des kleinen Nickerchens im Büro: Mittags kurz zu schlummern, um neue Energie für den Nachmittag zu tanken, ist gut für Gesundheit und Leistungsfähigkeit – wie viele Studien bestätigen. Was in Spanien Siesta heißt, kennt Japan als Inemuri, was soviel bedeutet wie „schlafen und trotzdem anwesend sein“, zum Beispiel während Konferenzen zur Mittagszeit. In China garantiert Artikel 43 sogar das verfassungsmäßige Recht auf zeitweiliges Ausklinken am Arbeitsplatz – ein Teil der Mittagspause wird einfach im Bürostuhl, auf oder unter dem Schreibtisch verschlafen. In den USA sind Naprooms bereits seit Jahren offiziell: Unternehmen wie die Huffington Post (deren Gründerin ein Buch zum Thema schrieb), Google oder Nike haben erste Schlafräume und -kabinen etabliert, die zu unterschiedlichen Zeiten gebucht werden können.

Deutschland: Kurz pausieren garantiert einen frühen Feierabend

In Deutschland haben gesetzlich vorgegebene Pausenzeiten für die Angestellten oft einen Musscharakter oder werden nicht genommen. Spätestens in Minute 31 der Mittagspause wird weiter gearbeitet. Das macht für all diejenigen Sinn, die möglichst viele Stunden mit der Familie und Freunden verbringen wollen. Müdigkeit und Unkonzentriertheit im Büro werden von allen Seiten in Kauf genommen, zumal deutschen Mitar­beitern, angesichts erträglicher Temperaturverhältnisse, süd­europäische Siesta-Traditionen abgehen. Spanische Büroangestellte sind es gewohnt bis in die Abendstunden zu arbeiten und erst nach 20 Uhr wieder Zeit für das Private zu haben.

Biorhythmus: Zwischen 13 Uhr und 16 Uhr im Suppenkoma?

Also Augen auf und durch? Eindeutig nein, um mit dem Biorhythmus zu argumen­tieren. Jeder Arbeitstag hat Leistungshöhen und –  tiefen: Verstärkt nachmittags zwischen 13 Uhr und 16 Uhr gebärdet sich unser Gehirn wie ein zu voller Rechner – durch Eindrücke übersättigt, die Verdauung tut ihr Übriges. Derart beansprucht, geschehen Fehler: Statistiken belegen, dass nach 14 Uhr nicht nur Verkehrs­unfallzahlen, sondern auch Arbeitsunfälle durch Übermüdung häufen. Denn dann hat die Mehrheit der Beschäf­tigten schon bis zu sechs Jobstunden hinter sich. Zwar schreibt das Arbeitszeitgesetz jetzt mindestens 30 Minuten Pause vor. Pausen­zeiten, in denen – sofern sie überhaupt jemand einhält – nach Herzenlust gegessen wird. Anschließend fällt man ins Suppenkoma, – ein Phänomen, das täglich Millionen Menschen befällt. Kaffee hilft da nur sehr temporär.

Studien belegen, dass Menschen, die regelmäßig einen Mittagsschlaf halten, sind in der zweiten Tageshälfte kreativer, aufmerksamer und produktiver sind.

 

Powernaps: Auf die Dauer kommt es an

Wann droht wem das Tief? Frühaufstehern und Lerchen etwas eher als Nachteulen. Für alle, die den Kontakt zur ihrer inneren Uhr verloren haben, hat Harvard Schlaf­forscherin Sara Mednick ein so genanntes Nap Wheel entwickelt – eine Schlafuhr, die den individuell perfekten Zeitpunkt für den Mittagsschlaf findet. Außerdem identifizierte Mednick exakt drei Powernap-Fenster:

  • 10 bis 20 Minuten, um Konzentrationsfähigkeit und Energielevel zu steigern
  • bis 60 Minuten, um sich neu Gelerntes besser zu merken
  • 90 Minuten (ein voller Schlafzyklus) für den größten Erholungseffekt

30 Minuten dagegen hält Mednick für ungünstig: Wen der Wecker hier aus dem Tiefschlaf reißt, fühlt sich schlapper als vorher.

Länger leben dank Powernap?

Studien zufolge senkt das stressreduzierende Büroschläfchen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, reguliert den Hormonhaushalt und den Blutdruck – 45 Minuten Wegdämmern genügen, so Ryan Brindle und Sarah Conklin, Allegheny College Pennsylvania: Von 85 Probanden durfte nur eine Gruppe während eines simulierten, extra stressigen Arbeitstages powernapppen: Bei allen stiegen Puls und Blutdruck, nur bei den Powernappern waren die Werte anschließend wieder normal. Ganze 23.500 Versuchspersonen schickte die Harvard School of Public Health, Athen, ins Rennen. Resultat: Blutdruck und Herzinfarktrisiko sanken um 37 Prozent. Dazu hielten die Griechen wenigstens dreimal die Woche 30 Minuten Powernap, um den Abbau von Stresshormonen zu befeuern.

Deutschlands Arbeitgeber – im Dornröschenschlaf?

Angestellte, die im Büro schlafen, flexiblere Arbeitszeiten? Pure Zeitverschwendung, dafür zahle ich nicht, ist noch immer vielerorts Arbeitgeber-Tenor. Fast wie im 19. Jahrhundert, als Industria­lisierung und getaktete Massenfertigung keine Zeit für Pausen ließen. Zeitsparen als Maxime von Produktivität, so wurde in den 1980ern der Workaholic als Ideal des Professionals hervorgebracht. Mancherorts immer noch undenkbar, das Wort Powernap in der Chefetage überhaupt fallen zu lassen! Glücklich dagegen, wer ortsunabhängig arbeitet – ohne das physische Ortspräsenz verlangt wird. Was Arbeitgeber übersehen: Mit der Informationsgesellschaft öffnen sich Flexibilitätsfenster – inklusive der Option, Büro bzw. Laptop überall, jederzeit und global vernetzt aufzuklappen. Sprich: Wer jetzt noch 9 to 5 denkt, sollte besser aufwachen. Jedoch: Auch in deutschen Unternehmen sehen wir Licht am Ende des Tunnels: Die Business Center Branche bietet die ideale Büroumgebung für flexibles Arbeiten im Büro – eine Infrastruktur, die einen Arbeitsplatz an attraktiven Bürostandorten der Wahl gewährleistet und zu jeder Tages- und Nachtzeit – inklusive Entspannungszonen.

TK-Chef: Arbeitgeber sind in der Pflicht

Längst wünschen sich 29 Prozent der Arbeitnehmer regelmäßigen Mittagsschlaf im Job, besagen Zukunftsstudien von IFBG und Techniker Krankenkasse (TK). Ganze 80 Prozent geben zu, zwischen 13 und 15 Uhr Leistungsknicks zu erleben. TK-Chef Andreas Vogt sieht gesetzlichen Handlungsbedarf – und die Arbeitgeber in der Pflicht, mittels Gleitzeit und Rückzugsräumen Powernapping zu realisieren. Denn laut der TK-Whatsnext-Studie verfügen nur 9,5 Prozent der befragten Organisationen in Deutschland über Angebote zum Thema Schlaf. Dr. Utz Niklas Walter vom IFBG ist überzeugt: Nach Gesundheitsthemen wie Stress, Bewegung und Ernährung wird es für Unternehmen darum gehen, das Potenzial der Schlafoptimierung zu nutzen – mit aufsuchender Einzelschlafberatung im Büro und der Ausbildung von Führungskräften zu Schlafbotschaftern. Die Sparda Bank München machts vor: Seit dem Auftakt am 4. Juli 2018 stehen Schlaf und Erholung sogar im Jahresmotto – „Fit und ausgeschlafen in die digitale Zukunft“.

Powernap im Büro wagen? Abdunkeln und Kaffee trinken

Was tun? Warten, bis Powernapping flächendeckend in Büros eingeführt ist? Dösen allein wirkt leider nicht, Einschlafen heißt die Devise. Wer darf, bereitet seinen Powernap entsprechend vor: Büro abdunkeln, Fenster schließen, Lärm und Unter­brechungen durch Telefon oder Kollegen ausblenden: Bitte nicht stören! Ist der Alarm am Handy eingestellt, heißt es: Sitzen oder liegen? Notfalls ersetzt eine rollbare Matte das Sofa. Alternativ wird die Stuhllehne zurückgeklappt – Beine hoch, gegen störenden Lichteinfall hilft eine Schlafmaske. Übrigens: Der Powernap-Effekt lässt sich angeblich noch steigern – durch einen Kaffee davor. Bitte?? Ja, um vom Schlafen abzuhalten, wirkt Koffein zu langsam, aber es schiebt das Wachwerden danach deutlich an.

Quellen:

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